Belén Prado
Belén Prado
Else Lasker-Schüler
E. Lasker-Schüler
Sappho
Sappho

Erwürge mich, Liebster

Verse von Frauen aus vielen Ländern
und Jahrhunderten über Lieben und Sterben



Anonyme Araberin (1980 - 1985?)

Erwürge mich, Liebster

Erwürge mich, Liebster,
stich mich ab,
häng mich auf;
weide mich aus,
lass mich ausbluten,
austrocknen, absterben …

Und gib mir endlich
mein Leben wieder
mit deiner Kraft, deinem Blut,
deinem Speichel, deinem Atem,
und mit dem Urschleim.

Ü.: Ahib D. Nehab



Gisela Etzel (1880-1918)

Nun weiß ich dies

Nun weiß ich dies: dass Sterben heißt,
Den Tod vor Augen langsam zu ihm gehen,
Bis hoch zum Herz in Sorgenmeeren stehen,
Tief unter Wolken, die kein Glück zerreißt.

Nur hell ein Geierpaar, das stetig kreist,
Nur Raubgetier vor müden Blicken sehen
Und Not im Sehnen, Finden und Verstehen
So ist das Leben, ja so ists zumeist.

Nur Auserwählten gibt es manchmal Flammen
Zu kühner Lust und wildem Tatbegehren,
Die wissen Angst und Schwermut abzuwehren
Und stehn erleuchtet über stumpfen Heeren.

Und stehn allein, und finden nie zusammen:
So gab der Tod auch ihnen sein Verdammen.


Belén Prado (*1993)

Such nur

Zieh mich aus
Such meine Stimme
Sie wird schon
irgendwo sein
wird nicht tot sein
Zieh mich aus
Nachtgefährte
leih mir deine
ich brauche sie gleich.
     
Ü.: Helmut W. Brinks



Edith Södergran (1892-1932)

Entdeckung

Deine Liebe verdunkelt meinen Stern, -
der Mond geht auf in meinem Leben.
Meine Hand ist nicht zuhaus in der deinen.
Deine Hand ist Begier - meine Hand ist Sehnsucht.

Ü.: Nelly Sachs



Emily Dickinson (1830-1886)

Stürmische Nächte

Stürmische Nächte
und ich mit dir -
stürmische Nächte wären
ganz wundervoll!

Zwecklos – die Winde!
Kein Kompass, keine Karte
bringt uns in den Hafen.

Rudern in Eden!
Pfeif auf die See!
Ich will heut Nacht
ankern bei dir

Ü.: Helmut W. Brinks


Ricarda Huch (1864-1947)

Liebesreime

Der Teufel soll die Sehnsucht holen!
Ich lieg’ in einem Bett von Nesseln,
Auf einem Bett von glüh’nden Kohlen,
In einem Netz von eh’rnden Fesseln!
Das Auge sehnt sich aus der Höhle.
Der Busen sehnt sich aus dem Mieder;
Ich wollt’, es sehnte auch die Seele
Sich aus dem Leib und käm nicht wieder.


Unbekannte japanische Dichterin:

Hach, Pflaumenblüten!
Ostwind weht mir den Duft zu.
Der Frühling ist da –
und mein Liebster versprach doch,
zur Blüte bei mir zu sein.


Elsa Asenijeff (1867-1941)

Seufzer an den Einziggeliebten

Und ist der Tod mir da
Fern – oder nah –
Ich will ihn lächelnd grüßen
Denn ich sterbe leicht –
Mit deinem süßen, süßen
Namen aus der Lippen
Letzten Hauch
Löscht mein schwaches Leben aus. – –


Selma Meerbaum-Eisinger (1924 - 1942)

Welkes Blatt

Auf der halbvergilbten Seite
Liegt das dünne, gelbe Blatt,
liegt es traurig, zart und matt
wie ein Tränenblick ins Weite.

Und der Stängel ist so biegsam zart,
dass man fast des dünnen Kleides harrt,
das diese Gestalt bekleiden soll.
Und das Blatt ist wie ein Lied in Moll,

weil es an den Herbst gemahnt,
wie ein Kind, das traurig ahnt,
dass es krank ist und bald sterben soll,
ganz so süß und voll verhaltnem Weh.

So ist auch der letzte Schnee …