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Sophie Albrecht (1757 - 1840) 


Beseligung

Wer kann, wie ich, die Wonne ganz verstehen,
Die das Gefühl an meine Seele knüpft -
Ich soll den teuren Jüngling wieder sehen,
Für den mein Blut so heiß zum Herzen hüpft!

Ich trag' sie nicht, der Freuden hohe Fülle,
Bei seinem Kuss fühl' ich entkörpert mich;
Sie sinkt zum Staube, diese Erdenhülle, 
In seine Seele stürzt die meine sich.




Die Web-Anthologie ist noch eine Baustelle!  Nach und nach wird sie mit weiteren Versen gefüllt.
Hier eine Übersicht aller Autoren als PDF  Autoren Übersicht als PDF

Bettina von Arnim (1785 - 1859)

An Pamphilio

Im Grase liegen! Im Regengeträufel.
Den Busen kühlen, den heißen! Den du bewegst, Liebe,
Träumende; mich Träumer schiltst,
Der dich nur träumt, Liebe.

Nicht stören Emse, Käfer, goldne Biene,
Eurer finstern Vesten, eurer sonnigen grünen Reiche
Verständig Gewimmel;
Nicht mich erhebend, euch beugen, weiche Halme.
Den rollenden Sand unter der Sohle,

Dein Schweigen, Natur, nicht brechen.
Nicht auf raschelndem Blatt mit dem Griffel dich wecken,
Genius! - Träumender! Schön ruhender!

Dein Hauchen Abendwind! Überm Wasser! 
Traube! - Herbstbereifte! - dein Feuer! Zu hauchen,
mit schüchternen Lippen In ihren Hauch,
Die meine Brust bewegt - die Liebe!



Suheir Abu Aqsa (*1967)

Anders eben

Ich denke in deinen Armen
an den Kuss eines andern.
Alles ist zugedeckt
mit einer Schicht Vergessen
mit Sand und Wasser,
dazu ein Lied aus den Wolken.

Der Kuss, der von früher,
brennt noch auf den Lippen
bedrängt meine Zunge.
Du -, du küsst meine Tränen.

Ü.: Helmut Brinks



Elsa Asenijeff (1867 - 1941)

Weibes Gebet an den einen

Meine Lippen formen deinen Namen,
Als den Samen aller Glut,
In dem alles brennende Leben ruht.
Mein Sehnen formt deine Eigenart –
(Wie bist du kraftvoll und doch so zart!)
Mein Blut – will deinen köstlichen Leib
Nachformen –:
Denn ich bin ein Weib!!
































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Biografische  Notizen:

Zu gerne hätte ich hier biografische Angaben zu allen Autorinnen gegeben, doch der Aufwand und der Platzbedarf übersteigt meine Möglichkeiten. Google könnte helfen.

Eine Ausnahme mache ich für Autorinnen, die Hitler vernichten wollte, nur, weil sie aus jüdischen Familien stammten. Ihre Gedichte haben Hitler überlebt; mir ist wichtig, sie vor dem Vergessenwerden zu bewahren:

Rose Ausländer wurde im damals österreichischen Czernowitz geboren – wie Paul Celan und Selma Meerbaum-Eisinger. Sie war 1928-1931 in den USA und veröffentlichte Gedichte und Übersetzungen. 1939 reiste sie wieder in die USA, flog aber bald zu ihrer erkrankten Mutter zurück.1941 musste sie im Getto leben.1944 befreite die Sowjetarmee die überlebenden Juden. Rose Ausländer reiste über Rumänien wieder nach New York und arbeitete als Fremdsprachenkorrespondentin. 1964 zog sie nach Wien und 1965 nach Düsseldorf. Nach ausgedehnten Reisen (Italien, USA, Europa) schrieb sie wieder auf Deutsch Gedichte, die hohe Auflagen erreichten. 1972 zog sie ins Düsseldorfer Jüdische Altersheim, schrieb noch viele Gedichte und starb 87-jährig 1988.

Die in Köln geborene Hilde Domin ging 1932 mit ihrem Mann zum Weiterstudium nach Italien, wo Juden zuletzt als Staatsfeinde galten. Das Paar floh 1939 nach England, 1940 in die Dominikanische Republik, von der die Autorin ihren Künstlernamen nahm. Beide kehrten 1954 nach Deutschland zurück; sie starb 2006 in Heidelberg.

Mascha Kaléko war das Kind jüd.-russ. Eltern, die 1914 nach Progromen nach Deutschland floh. Als Schulkind in Frankfurt a. M., 1918 in Berlin eine Bürolehre, Abendkurse ü. Philosophie u. Psychologie. Sie heiratete den Hebräischlehrer Kaléko, wurde 1928 in Berliner Kabaretts Kollegin u.a. von Else Lasker-Schüler, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Kurt Tucholsky. 1929 veröffentlichte sie Kabarett-Gedichte, wirkte im Rundfunk. Ihre Texte wurden vertont. 1933 erschien das Lyrische Stenogramm-heft, 1934 Das kleine Lesebuch für Große. Dann wurden ihre Bücher als „schädliche u. unerwünschte Schriften“ von den Nazis verboten. 1938 Emigration in die USA, 1944 am. Staatsbürgerschaft. 1945 veröffentlichte ein US-Verlag ihre Verse für Zeitgenossen. Sie wohnte bis 1956 in NY- Greenwich Village. Beide Gedichtbücher wurden ab 1956 wieder von Rowohlt sehr erfolgreich verlegt. Ihrem Mann  zuliebe war sie 1956  nach Jerusalem gezogen, kam mehrfach zu literarischen Kontakten nach Deutschland, litt in Israel unter sprachlicher u. kultureller Isolation. Im Herbst 1974 wollte sie in Berlin neben Jerusalem eine Bleibe nehmen. Auf dem Heimweg Weg starb sie 1975 in Zürich.

Die in Wuppertal Elberfeld geborene Else Lasker-Schüler war eine jüdische deutsche Dichterin und Dramatikerin, die in Berlin zu den literarischen Größen und zu den Expressionisten zählte, bis sie 1927 durch den Tod ihres Sohnes in eine tiefe Depression fiel. 1932 erhielt sie den renommierten Kleist-Preis, aber kurz danach musste sie vor den Nazis fliehen - über Zürich nach Palästina. Sie blieb ab 1837 in Jerusalem, starb hier verarmt am 22.1.1945.

Die in Berlin in einer jüdischen Anwaltsfamilie geborene Gertrud Kolmar war mit zwei Gedichtbänden bekannt geworden. 1941 musste G.K. Zwangsarbeit in der Rüstungs - industrie leisten. 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und wurde in der Gaskammer umgebracht.

Selma Meerbaum-Eisinger, *5.2.1924 im österr. Czernowitz (die Heimat auch von Rose Ausländer und Paul Celan), musste mit Mutter und Stiefvater Eisinger ab Oktober 1941 im Ghetto von Czernowitz leben; sie kamen Ende Juni 1942 in ein Übergangslager, danach in ein sowjet. Arbeitslager, wo sie Steine für den Straßenbau hacken mussten. Die achtzehnjährige Selma starb am 16.12.1942 entkräftet an Fleckfieber. Ihr Freund Leiser Fichmann wollte nach Palästina fliehen; sein Schiff wurde von einem U-Boot versenkt.

Helmut W. Brinks