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C

Ada Christen (1839-1901)

Ich sehne mich nach wilden Küssen

Ich sehne mich nach wilden Küssen,
Nach wollustheißen Fieberschauern;
Ich will die Nacht am hellen Tag
Nicht schon in banger Qual durchtrauern.

Noch schlägt mein Herz mit raschem Drang,
Noch brennt die Wang` in Jugendgluten –
Steh still, lösch aus mit einem Mal!
Nur nicht so tropfenweis verbluten.






















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Ada Christen (1839-1901)

Maryna

Seit du gestorben, bin ich recht allein.
Ich träume oft, es müsse anders sein.
Dann sag ich mir: Sie ist nur fortgegangen
Und kehret wieder, denn sie ahnt mein Leid.
Dann kommst du lachend wie in alter Zeit
Und streichelst hastig redend meine Wangen.

Und ich erwache, will dich wiederseh`n,
Will dich in einem Winkel noch erspäh`n
Ich suche wie die Mutter nach dem Kinde.
Doch plötzlich fällt mich der Gedanke an,
Dass ich die Welt zu Ende laufen kann
Und nirgends, nirgends, nirgends dich mehr finde.


Letzter Versuch

Ich habe mich zu erhängen gesucht:
Der Strick ist abgerissen.
Ich bin ins Wasser gesprungen:
Sie erwischten mich bei den Füßen.

Ich habe die Adern geöffnet mir:
Man hat mich noch gerettet.
Ich sprang auch einmal zum Fenster hinaus:
Weich hat der Sand mich gebettet.

Den Teufel! Ich habe nun alles versucht,
Woran man sonst kann verderben –
Nun wird` ich wieder zu leben versuchen:
Vielleicht kann ich dann sterben.