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Karoline von Günderrode (1780-1806)
Liebe

O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen!
In Zagheit Mut! In Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage,
Siegend mit zaghaftem Bangen.

Lebendiger Tod, im Einen sel`ges Leben
Schwelgend in Not, im Widerstand ergeben,
Genießend schmachten,
Nie satt betrachten
Leben im Traum und doppelt Leben.






















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Johann Wolfgang Goethe (1749 - 1832)
 
Gretchen am Spinnrad

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.




Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694)
 
Gegen Amor

Der kleine Wüterich mag mit den Pfeilen spielen
und tändeln, wie er will: er gewinnet mir nichts ab,
weil gegen seine Pfeil ein Demant Herz ich hab.
Er machet mich nicht wund, darf keine Schmerzen fühlen.

Er mag mit tausend List auf meine Freiheit zielen.
Ihm ich, dem blinden Kind, ein Zucker-Zeltlein gab:
er meint′, es wär mein Herz. O leicht-getäuschter Knab!
Ich will meinen Mut noch an deiner Einfalt kühlen.

Schau, wie gefällt dir das! trotz, spreng mir diesen Stein
mit deinem goldnen Pfeil. Der Lorbeer soll mich zieren,
nicht deine Dornen-Ros′ und Myrthen-Sträuchelein.

Du meinst es sei nur Scherz, ich wolle mich vexieren.
Nein! nein! die süße Ruh soll mir das Liebste sein,
mein tapfres Herz soll nichts als Ruh und Freiheit spüren.




Karoline von Günderrode (1780-1806)
 
Ist alles stumm und leer

Ist alles stumm und leer;
Nichts macht mir Freude mehr;
Düfte, sie düften nicht,
Lüfte, sie lüften nicht;
Mein Herz so schwer!

Ist alles öd` und hin;
Bange mein Herz und Sinn;
Möchte, nicht weiß ich, was;
Treibt mich ohn` Unterlass,
Weiß nicht, wohin!

Ein Bild von Meisterhand
Hat mir den Sinn gebannt;
Seit ich das holde sah,
Ist`s fern und ewig nah,
Mir anverwandt.

Ein Klang im Herzen ruht,
Der noch erquickt den Mut,
Wie Flötenhauch ein Wort,
Tönet noch leide fort,
Stillt Tränenflut.

Frühlings Blumen treu
Kommen zurück auf`s Neu,
Nicht so der Liebe Glück,
Ach, es kommt nicht zurück –
Schön, doch nicht treu!

Kann Lieb` so unlieb sein,
Von mir so fern, was mein?
Kann Lust so schmerzlich sein,
Untreu so herzlich sein?
O Wonn`, o Pein!

Phönix der Lieblichkeit,
Dich trägt dein Fittich weit
Hin zu der Sonne Strahl,
Ach was ist dir zumal
Mein einsam Leid!















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